Das letzte Mal waren wir vor drei Tagen auf Schienen unterwegs - von U-Bahnen und Trams mal abgesehen. Die zählen aber nicht, soweit solltet ihr uns bereits kennen. Also ist es angebracht, uns an diesem Tag wieder voll der Eisenbahn, oder finnisch, der Rautatie zu widmen. Wir sind verabredet, und zwar mit Wilhelm Schevelew, dem Head of Business Line von VR Passenger Fleet Projects. VR heisst die finnische Staatsbahn und steht für Valtion Rautatiet. Also steigen wir in ein Tram und Fahren gegen Mittag in Richtung des Unterhaltswerks von VR FleetCare. Da bekommen wir eine volle Ladung an Eisenbahn ab und Wilhelm beantwortet alle unsere Fragen direkt vor Ort. Zu diesem Einblick schreiben wir zu einem späteren Zeitpunkt einen separaten Bericht.
Nach diesem spannenden Einblick könnten wir nun zurück in die Stadt fahren, ein bisschen am Meer sitzen und Kaffee trinken. Stattdessen satteln wir die e-Trottis und rasen zum nächsten, ja genau, Bahnhof. Dort steigen wir in den Zug in Richtung Hyvinkää, wo sich das nationale Eisenbahnmuseum befindet. Ein sehr stilvolles Museum in perfekter Atmosphäre, das allerdings fast ausschliesslich auf historische Themen fokussiert. Nach dem Besuch sind wir uns einig, dass wir nun endlich die nötige Dosis an Eisenbahn für heute abbekommen haben und können nun entspannt das Abendprogramm in den Fokus nehmen.

Hyvinkää ist (abgesehen vom Eisenbahnmuseum) eigentlich keinen Besuch wert. Trotzdem ist es interessant, eine Gemeinde im Umland der Grosstadt zu sehen und die gefühlt langsamere Geschwindigkeit des Lebens dort zu erfahren. Der kleine Ausflug gibt uns neue Energie, uns wieder in die Grosstadt zu stürzen.
Es wartet noch ein spezielles Erlebnis auf uns. Wir haben in einem speziellen Restaurant reserviert. Das «Kirsikka» liegt in der wunderschönen alten Markthalle »Hakaniemen Kauppahalli» im zentralen Stadtteil Kallio. Tagsüber ist hier viel los und zahlreiche Geschäfte verkaufen Produkte, die rund um Helsinki hergestellt oder angebaut werden. Auch das Kirsikka bezieht das meiste direkt aus der Markthalle. Eine kleine, aber ausgesuchte Karte mit frischen Speisen trägt diese Handschrift. Wir bestellen ein Gericht mit dem Namen «Vorschmack». Es handelt sich dabei um eine art Mus aus Rind- und Lammfleisch, dazu gibts feinen Kartoffelstock, Randen und Gurkenstücke sowie «Smetana», eine Art Crème Fraîche, einfach etwas deftiger.

Die Atmosphäre im «Kirsikka» ist familiär und persönlich. Der Besitzer Ville Leander erklärt uns die Geschichte der Markthalle. Wir erzählen, dass wir am nächsten Tag nordwärts weiterziehen und unsere Reise nach Norwegen und Schweden weitergeht. Ville sagt, er würde sich uns gleich anschliessen, wenn er nicht ein Restaurant zu führen hätte.

Kirsikka – der perfekte Ort für unseren letzten Abend in Helsinki.
P. S.: Wir sind schon am Morgen durch die Hakaniemen Kauppahalli (die Markthalle) geschlichen und haben neugierig über die Tresen geschaut. Der freundliche Mann hinter der Fischtheke fragte uns, woher wir kommen. Als Johnny stolz mit «Basel» antwortet, flippt er richtig aus (etwa so wie wir, als wir in die heiligen Eisenbahnhallen der VR treten durften).

Er liebe Basel über alles, es sei eine so schöne Stadt, mit vielen freundlichen Menschen, schöner Architektur und Kultur. Ehrensache, dass er mit uns auf ein Selfie kommt. Danke Markus für die schöne Begegnung.

