Wir verabschieden uns von Helsinki, heute Abend geht es weiter Richtung Norden. Nach so vielen Eindrücken haben wir jetzt ein ganz anderes Bild über diese Stadt, wir durften viele tolle Menschen treffen, der Abschied fällt etwas schwer. Wir haben noch viel vor uns, weshalb wir mit grosser Vorfreude den Nachtzug nach Kolari einfahren sehen. Kolari liegt weit oben im Norden, über dem Polarkreis, dort, wo die Gleise enden. Während wir schlafen, bringt uns dieser lange Zug dorthin.

Zug im Hauptbahnhof von Helsinki
Der Nachtzug nach Kolari steht in Helsinki bereit.

Wir besteigen den Nachtzug mit den doppelstöckigen Schlafwagen in Helsinki, beziehen unser Abteil und setzen uns ins Restaurant. Der Zug setzt sich auf die Minute pünktlich in Bewegung. Nach drei Tagen in der Grossstadt fühlt es sich gut an, wieder unterwegs zu sein.

Der Zug wirkt sehr durchdacht, wie ein Hotel auf Schienen. Im Gegensatz zu anderen Nachtzügen gibt es viel Stauraum und weitere Besonderheiten wie kleine Kabäuschen zum Telefonieren und grosszügige Veloabstellplätze. Am meisten erstaunen uns jedoch die Schliessfächer auf dem Gang, bzw. sogar eine Gepäckabgabestelle im Zug.

Speisewagen leer, VR-Design mit Eule
Wie ein echtes Resturant, der Speisewagen des Nachtzugs

Speisewagen mit zwei Gästen bei Köttbullar
Köttbullar, Kartoffelstock und Preiselbeeren.

Wir setzen uns ins Restaurant - der Broschüre zufolge den besten Wagen des Zuges - und bestellen einen Salat und zwei Mal eine grosse Portion Fleischbällchen mit Kartoffelstock. Die Portionen sind gross, das Essen ist herzhaft und wird in Porzellantellern direkt am Platz serviert. Just als wir Helsinki verlassen, ziehen Wolken auf und draussen regnet es. Nach etwa 10 Minuten Fahrt bleibt der Zug plötzlich auf offener Strecke stehen. Nach kurzer Pause ruckelt es, die Wagen mit den Autos werden angekoppelt. Die Autowagen werden an einem anderen Ort etwas weiter weg vom Hauptbahnhof beladen und dann an den Zug angehängt. Damit ist der Zug komplett und die Reise gegen Norden kann beginnen.

Autotransportwagen des Zuges nach Kolari
Der Autozug nach Kolari – auf zwei Ebenen werden Fahrzeuge bis in den finnischen Norden mitgenommen.

Nach dem Essen setzen wir uns in die Kojen und diskutieren nochmals die Aussage von Wilhelm, dass Nachtzüge in Finnland eine wichtige Bedeutung für die Vernetzung des Landes haben. Das Produkt «Nachtzug» in Finnland scheint durchdacht und selbstbewusst. Alles scheint eingespielt und irgendwie normal. Wir schlafen schnell ein und werden morgen in Lappland wieder aufwachen, weit weg von Helsinki und dem Trubel der Stadt. Was für ein Gefühl.

Doppelstöckiger Nachtzug von VR
Aussenansicht des VR-Nachtzugs – mit grünem Eulendesign und zwei Stockwerken.

P. S.: Da wir in Kolari eine Sauna in unserer Hütte haben werden, müssen Saunamützen her. In Helsinki haben wir beobachtet, dass einige Saunagänger*innen eine solche trugen. Wir ziehen von Shoppingmall zu Shoppingmall, aber nirgends sind die Dinger zu finden. Alle wissen, was wir meinen, doch kein Laden scheint diese im Angebot zu haben. Eine kurze Recherche zeigt uns, dass diverse Läden solche Mützen haben, diese liegen jedoch etwas ausserhalb. Also nehmen wir die Metro und fahren in einen Vorort.

Als wir ankommen, staunen wir nicht schlecht: Die U-Bahn hält auch hier - ihr könnt es erraten - direkt in einer Shoppingmall. Nur ist diese noch grösser als diejenigen in der Stadt und wir sind aufgrund der schieren Grösse des Shoppingcenters überrumpelt, ja vielleicht etwas irritiert: Klar, wenn man in den riesigen Malls in der Stadt das Gesuchte nicht findet, muss man halt in die Mega-Malls der Vorstädte. So funktioniert das hier.

Einkaufszentrum Itis in Helsinki
Nach fast 15 Minuten zu Fuss sind wir am Ende der Shoppingmall angelangt.

Schwedenreisli