Der Tag beginnt in Narvik bei wunderbarem Sonnenschein. Statt zum Bahnhof, wie wir das gewohnt sind, begeben wir uns für die heutige Etappe zum Busbahnhof. Dieser liegt, wer hätte das gedacht, direkt neben der Shoppingmall in Narvik. Für Shopping bleibt heute aber keine Zeit, der Bus wartet bereits auf uns. Wir schnappen uns die Plätze ganz vorne im Bus und lassen das Abenteuer beginnen. Ziel: Svolvær auf den Lofoten. Rund 4 Stunden dauert die Fahrt und sie verspricht wunderbare Landschaften beim Weg durch die Inselgruppe.

Blick auf eine Brücke
Kurz nach Narvik, die Reise auf die Lofoten beginnt.

Der erste Zwischenstopp gibt es beim Flughafen Harstad nach ca. 30 Minuten. Der Flughafen ist in etwa so gross wie Bern Belp und bietet vor allem Destinationen innerhalb Skandinaviens an. Bei den grossen Distanzen, über die sich die Länder im Norden erstrecken, ist das Flugzeug ein wichtiges Verkehrsmittel. Insbesondere die norwegische Regionalfluggesellschaft Widerøe ist stark präsent. Sie erschliesst auch abgelegene Orte und Städte, die schwer erreichbar und im Winter von der Aussenwelt abgeschnitten wären. Die Pilot*innen von Widerøe besitzen den Ruf, dass sie auch bei äusserst widrigen Bedingungen noch starten und landen, während die Piloten anderer Fluggesellschaften längst aufgegeben hätten. Lange haben wir nicht Zeit, die wenigen Flugzeuge zu bestaunen, unser Chauffeur will pünktlich um 11 Uhr weiterfahren, wie er nett aber bestimmt informiert hat.

Brücke zwischen Fels und Fjord
Eine der vielen Brücken, die die Inseln der Lofoten miteinander verbinden.

Vom Flughafen ist es dann nicht mehr weit, bis wir über die Tjeldsundbrua auf die Inselgruppe der Lofoten gelangen. Während unser Busfahrer beim Beginn der Reise noch eher die norwegische Zurückhaltung zeigte, wurde er, je länger, desto mehr, zum Touristenführer. Er erklärt, was es rechts und links zu sehen gibt. Stolz berichtet er vom grossen Bauprojekt «Hålogalandsvegen» dessen Baustellen wir an vielen Stellen sehen. Im Rahmen des Projekts wird die grosse Strasse E10 neu und direkt gebaut. Sie wird in Zukunft sieben neue Tunnel und 22 Brücken nutzen und die Fahrzeit nach Harstad um 40 Minuten verkürzen. Ausserdem wird der Zugang zum Meer von der Strasse stark verbessert, was vor allem für den Güterverkehr wichtig ist. Unser Busfahrer erklärt, dass vor allem der Transport von Fisch auf den Lofoten enorm wichtig ist. Jede Minute, die bei diesem Transport gespart werden kann, sei wichtig: «Niemand ist so in Eile, wie ein toter Fisch». Der Humor hier oben scheint so trocken, wie die Stockfische an den Holzgerüsten, die man überall hier sieht. Das Bauprojekt kostet umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro und soll bis 2028 abgeschlossen sein. Wir fragen uns, was das mit dieser Insel macht, denn damit wird auch der Verkehr ansteigen und noch mehr Tourist*innen werden auf die schöne Inselgruppe gespült.

Kurvige E10 auf den Lofoten
Die Strasse schlängelt sich entlang der Küste.

Der Chauffeur wird immer gesprächiger und erzählt mit grossem Stolz, dass er zu den wenigen Fahrern gehöre, die diese Strecke fahren wollen. Aufgrund der zahlreichen Kurven und Engstellen sei die Route sehr anspruchsvoll und ein konstant hohes Mass an Aufmerksamkeit sei gefragt. Wenn wir so rausschauen, können wir dem nur beipflichten. Der Fahrer zirkelt gekonnt wie ein Widerøe-Pilot um alle Ecken und Kanten. Durchs Mikrofon erklärt er nach einigen weiteren, mehr oder weniger interessanten Informationen, dass die Umgebung, in der wir uns gerade befinden, sehr beliebt bei Wanderern und Kletterern sei. Aber es sei auch ein sehr gefährliches Gebiet, mahnt er. Um 14.00 Uhr kommen wir pünktlich in Svolvær an. Das Wetter hat mittlerweile umgeschlagen, dicke Wolken und Nieselregen sind aufgezogen.

Rorbuer in Svolvær
Traditionelle Rorbuer in Svolvær – gebaut auf Stelzen direkt am Wasser, mit dem Fløya im Hintergrund.

Roter Balkon mit Hafenblick
Blick vom Hotelbalkon auf den Hafen.

Wir suchen unser Hotel auf und können das Zimmer bereits beziehen. Obwohl wir die günstigste Kategorie gebucht haben, hat unser Zimmer einen Balkon aufs Meer und eine wunderschöne Aussicht. Und in unseren Körpern schlummert noch genügend Energie für die Besteigung des Hausbergs von Svolvær, den «Fløya». Dort oben angekommen, verstehen wir die Faszination der Lofoten: Die Inseln mit ihren Bergen, wie sie übers Meer verteilt sind, die Brücken zwischen den Inseln und die Schiffe auf dem Meer. Der Ausblick ist gewaltig.

Blick auf Svolvær von oben
Aussicht vom Fløya auf die Inselgruppe rund um Svolvær.

Panorama vom Fløya

Lange halten wir es dort oben nicht aus, denn der Regen fühlt sich je länger, desto kälter an. Vorsichtig steigen wir wieder runter und passen auf, dass wir nicht auf den nassen Felsen ausrutschen. Die mahnenden Worte des Busfahrers liegen uns noch immer in den Ohren.

Wir machen uns auf den Rückweg und als wir unten ankommen, regnet es dann so richtig und der «Fløya» ist im dichten Nebel verschwunden. Trotzdem hat es sich gelohnt, die knapp dreieinhalb Stunden zu wandern und einen Blick von oben auf die Inselgruppe zu bekommen.

Schwedenreisli