Nach einem ausgiebigen Hotelzmorge zieht es uns raus. Der Himmel ist wolkenlos und die Temperatur könnte man als warm bezeichnen. Zumindest, wenn man in der Sonne steht. Wir planen einen ruhigen Tag in Helsinki. Zuerst folgt eine Shoppingtour in einer der zahlreichen Malls. Helsinki präsentiert sich in schönstem Wetter und wir geniessen diese etwas raue, aber was wir besonders hervorheben möchten, äusserst saubere Stadt. Nirgends liegt Müll herum und alles wirkt im Schuss und ist gepflegt.

Zum Mittagessen sind wir mit einer Freundin verabredet. Wir spüren gleich die Vorteile, wenn man mit einer Local unterwegs ist. Zum Essen geht es ins Restaurant Miljöö, wo es heute Elch mit Preiselbeeren und Kartoffelstock gibt.

Ganz in der Nähe liegt die Bibliothek Oodi, die Zentralbibliothek von Helsinki, zu der es uns weiterzieht. Das Bauwerk wurde 2018 eröffnet und strahlt schon von aussen viel Sympathie aus. Geschwungene Holzfassaden und viel Glas laden ein, das Gebäude näher kennenzulernen.

Aussenansicht der Bibliothek Oodi
Die einladende Architektur des Oodi von aussen.

Eingangsbereich der Bibliothek Oodi
Unter der geschwungenen Holzkonstruktion versammeln sich die Besucher*innen vor dem Eingang der Bibliothek.

Wir treten ein und staunen nicht schlecht. Wer sich eine Bibliothek vorstellt, in der sich Buch an Buch in endlosen Regalen reiht, der irrt hier im Oodi. Vielmehr ist es ein Haus über drei Stöcke, in dem Kreativität und das Zusammensein viel Platz bekommen. Im untersten Stock befindet sich ein Restaurant sowie Aufenthaltsbereiche und ein Schach-Spielraum. Der zweite Stock erstaunt noch mehr: Hier befinden sich Musikstudios, Kreativräume, Ateliers, Labors, Werkstätten, Sitzungs- und Musikübungszimmer. Sogar Gaming-Räume gibt es. Alles offen und zur freien Verfügung.

Blick ins FabLab der Bibliothek Oodi
Lasergravierte Objekte und Werkstattatmosphäre im FabLab der Bibliothek.

In den Gängen stehen Plotter, PCs und 3D-Drucker. Viele Menschen arbeiten, spielen, lernen und lesen im zentralen Aufenthaltsbereich. Und im dritten Stock befinden sich die Bücher, mit einem Café in der Mitte und einer Terrasse mit direktem Blick auf das Regierungsviertel. Wir sind verblüfft, wie viel Raum hier Bildung und Kultur bekommt und allen Menschen offen steht. Sehr finnisch.

Ebenfalls finnisch sind Saunas. Und in genau so eine Einrichtung zieht es uns gegen Abend. Wir suchen eine in unserer Nähe und fahren mit e-Trottis dahin. Dort, am Wasser gelegen, finden wir eine Sauna vor, die wohl authentischer nicht sein kann. Das Gebäude ist äusserst unscheinbar und nichts verrät von aussen, dass sich darin eine Sauna befindet.

Authentisches Saunagebäude am Wasser
Ein schlichtes, unscheinbares Gebäude direkt am Wasser – in seinem Innern verbirgt sich eine traditionelle finnische Sauna.

Hier bezahlt man in bar und muss alles selber mitnehmen, weshalb wir nochmals zurück zum Hotel und zu einem Bankomaten düsen müssen. Gespannt auf den Einblick in die echte finnische Saunakultur beobachten wir zuerst das Geschehen im und um das Haus herum. Also: Zuerst duscht man und stellt sich dann in eine «soziale Warteschlange» vor der Sauna. Immer so viele wie rauskommen dürfen rein, so einfach die Regel. Und wer am längsten wartet, ist an der Reihe. Die Sauna selbst hat keine Fenster und ist nur spärlich beleuchtet. Aromen, Klangschalen oder andere vermeintlich entspannende Installationen sucht man hier vergebens. Drinnen ist es düster und man rutscht auf einer langen nassen Bank nach, bis es nicht mehr geht und man am Ende des kleinen Raumes angelangt ist. Dort steht ein Kessel mit Wasser und einer Schöpfkelle.

Die Person zuhinterst im Raum muss jeweils wortlos die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, ca. alle zwei Minuten eine Schöpfkelle Wasser über den heissen Ofen zu kippen. Auch wir geraten bis dort nach hinten und sitzen plötzlich hilflos vor dem Kessel. Für einen kurzen Moment ist die Entspannung vorbei, der Schweiss bricht aus. Ob die Schweissperlen vom Ofen oder vom Stress kommen, bleibt unklar. Wir beginnen mit den Aufgüssen, etwas unsicher, ob wir die richtige Kadenz des Manövers erfasst haben. Nichts passiert und freundlich erklärt man uns, dass die Art und Weise, wie man einen solchen Aufguss macht, viel über die Persönlichkeit aussagt. Ein anderer Saunagänger erzählt, dass er von Saunas im Ausland gehört hat, in denen per Knopfdruck Aufgüsse ausgelöst werden können. «Ein riesen Blödsinn und eine Veräppelung der Saunakultur», meint er dazu. Im Anschluss kann man sich direkt im Meer vor dem Gebäude abkühlen, was auch wir tun. Nach zwei Saunagängen sitzen wir müde auf einer Parkbank und sind von diesem Erlebnis richtig fasziniert.

P. S.: Dass wir Züge mögen, ist kein Geheimnis. Viele wissen aber vielleicht nicht, dass François insbesondere auch von Zügen fasziniert ist, die verborgen unter Städten verkehren. Die Rede ist von U-Bahnen. Bereits, wenn ein «M» Zeichen in Sichtweite gerät, beginnen seine Augen zu leuchten. Auf der langen Rolltreppe folgt dann das Management Summary über die Vorteile von U-Bahnen: «Das ist quasi wie Beamen, kein System befördert so viele Menschen so schnell so weit in einer Stadt. Wenn man den Modalsplit solcher Städte betrachtet, dann…», schon sind wir unten an der Rolltreppe angekommen. Und dann geht es meist nur drei Minuten, bis ein Zug einfährt und das Gefährt der Begierde betreten werden kann.

Moderne U-Bahnstation mit rotem Zug
Die U-Bahn von Helsinki ist funktional, aber hell und sauber.

Die Metro in Helsinki ist nicht besonders spektakulär, jedoch sehr sauber und hell. Was uns hier besonders auffällt, ist, dass die meisten U-Bahnstationen auch gleich als Schutzräume für die Bevölkerung dienen. Das ist auch in einigen anderen Städten der Fall, doch hier ist diese Zusatzfunktion besonders gut sichtbar: Ein Schutzraumzeichen verrät bereits auf der Strasse, wenn eine U-Bahnstation diese Funktion hat.

Massive Schutzraumtüren in der U-Bahnstation Kamppi
Grosse Panzertüren in der Metrostation Kamppi – die U-Bahn dient hier gleichzeitig als Schutzraum.

Unten in der Station angekommen, passiert man jeweils eine Stelle, an der riesige Panzertüren offen stehen, die im Ernstfall dann von unten oder von der Seite her geschlossen werden können. Imposante, vielleicht etwas gruselig wirkende Bauwerke, an denen täglich zahlreiche Menschen vorbeieilen, ohne ihre zweite wichtige Funktion zu kennen.

Schwedenreisli