Jedes Mal, als wir uns im vergangenen Jahr trafen, war sie mit dabei. Sie hat uns angetrieben, uns inspiriert und uns Mut für verrückte Ideen gegeben. Sie brachte uns zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Hier am Bahnhof in Basel nehmen wir nun Abschied von ihr und sagen:
Tschüss, liebe Vorfreude - und hallo verrücktes Schwedenreisli 2025!
Schön, dass ihr das Schwedenreisli - Die Zweite hier auf unserer Website mitverfolgt, mit uns mitfiebert, euch mit uns freut, mit uns bangt, hofft oder ihr über uns lacht. Letzteres tun wir nämlich auch und werden unser Bestes geben, euch spannende, witzige, ernste und eben auch (selbst-) ironische Geschichten und Anekdoten unserer Reise zu erzählen. Euch allen ein herzliches “Välkommen”!

Wir haben uns darauf eingestellt, von Eskapaden und Odysseen zu berichten, von Zugausfällen und Schienenersatzverkehr in Deutschland. Es klappt jedoch alles reibungslos. Somit starten wir ruhig und mit einem Kaffee aus dem Bordbistro unsere Reise. Nach arbeitsreichen Wochen spüren wir die erste Entspannung. Die Stimmung ist gelöst, wir tauschen uns kurz mit den Sitznachbarn aus, neben uns spielt ein älteres Ehepaar gemütlich Karten.
Nachdem wir uns zwei Podcasts zu Gemüte geführt haben (zu einschlägigen Themen wie Speisewagen und Diesellokomotiven), sind wir erstaunt, dass wir bereits die Süderelbe überquert haben. Wir sind in Hamburg und haben eine Stunde Zeit, Mittagessen zu gehen.

Gezielt geht es in die Lange Reihe ins Restaurant Yume, wo es gemäss Johnny die besten Ramen dieser Stadt gibt. Und er hat Recht. Das Essen ist sehr fein und die familiäre Stimmung macht das Ganze zu einem echten Geheimtipp. Kellner Yang wünscht uns eine gute Reise und fragt, wie lange wir in Hamburg sind. Als wir unsere Reisepläne erläutern, lacht er laut und wünscht uns alles Gute. Mittlerweile ist klassisches Hamburger Schietwetter aufgezogen, wir schultern unser Gepäck und laufen die wenigen Schritte zurück an den Hauptbahnhof.

Im Eurocity geht es weiter nach Kopenhagen. Die Landschaft wird nordisch, auf den endlos grünen Wiesen weiden Kühe und am Horizont tauchen Windkraftwerke auf. Wir überqueren den Grossen Belt und erreichen pünktlich Kopenhagen. Nach einem kurzen Nachtessen überqueren wir die Öresundbrücke und erreichen Malmö, wo für uns die letzte Etappe dieses ersten Tages beginnt: Der Nachtzug von Malmö nach Stockholm.

Müde steigen wir in die Betten unseres Dreierabteils und erfahren von der Zugbegleiterin, dass in Lund (ca. 10 Minuten später), noch ein Fahrgast in unser Abteil kommen wird. So dürfen wir bald darauf unseren Begleiter für die Nachtreise nach Stockholm begrüssen. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass der junge Doktorand ebenfalls aus dem kontinentalen Europa stammt.

Er fragt uns, ob wir zum ersten Mal mit dem Nachtzug fahren. Wir entgegnen stolz und freudig: «Nein», er antwortet: «Naja, ok. Das macht man halt, wenn es keine andere Lösung gibt.» Wir schauen uns kurz entsetzt an, fühlen uns das erste Mal in diesem Gespräch leicht beleidigt. Als einige Sätze später dann die Eisenbahn in Schweden ganz grundsätzlich ins Kreuzfeuer gerät, verstärkt sich dieses Gefühl. Unsere Lust auf weitere Diskussionen schwindet in Sekundenschnelle und wir schlagen vor, doch langsam schlafen zu gehen. Die Tatsache, dass wir drei Wochen lang in unseren Ferien die Eisenbahn in Skandinavien zelebrieren, ersparen wir ihm. Und die potenziell darauffolgende Diskussion, uns allen auch.
Bevor wir schlussendlich in den Schlaf fallen, verarbeiten wir den Vorfall via Chat zu zweit und versichern uns gegenseitig, dass es nicht nett ist, so über Züge in Skandinavien zu sprechen.

