Wir haben im schönen «Haparanda Stadshotell» übernachtet, das mitten im Zentrum steht und viel Geschichte in sich trägt. Das Morgenessen nahmen wir im grossen Saal mit Stuckaturen und glitzernden Kronleuchtern ein. Solltet ihr mal in Haparanda landen (man weiss ja nie), können wir euch das Hotel nur empfehlen.

Stadshotell Haparanda
Das Stadshotell Haparanda, unser bescheidenes Nachtquartier.

Unser Zug nach Luleå fährt erst um 14.28 Uhr. Genügend Zeit also, um Haparanda zu entdecken. Museen finden wir keine, das Stadtzentrum haben wir in 15 Minuten abgeschritten und am Flussufer des Torneälven sind wir gestern Abend schon entlangspaziert.

Bahnhofsrückseite Haparanda
Auf der schwedischen Seite ist alles bereit, nur die Züge fehlen.

Bahnhofsgebäude Haparanda
Der imposante Bahnhof von Haparanda.

So zieht es uns also direkt ins Herzen einer jeden Stadt - genau, zum Bahnhof. Das wirklich eindrückliche Bauwerk wurde nämlich umfassend renoviert und für die länderübergreifende Bahnverbindung flott gemacht. Aktuell verkehren hier aber nur drei Züge am Tag in Richtung Schweden, beziehungsweise ins knapp zwei Stunden entfernte Luleå. Für die Verbindungen nach Finnland scheint alles vorbereitet. Die Gleise liegen und auch die Bildschirme für die Abfahrten nach Finnland hängen. Sie zeigen jedoch aktuell, passend zur Situation, «kein Signal». Das Bahnhofsgebäude ist stilvoll eingerichtet und wartet darauf, zahlreiche Reisende willkommen zu heissen. Wir diskutieren über mögliche interessante Zugverbindungen, die zwischen den beiden Nachbarn eingeführt werden könnten und hoffen, dass hier bald mehr Leben herrscht.

Historisches Gepäckstillleben
Blick in die Vergangenheit (unten), Blick in die Zukunft (oben).

Weg zur Gepäckaufbewahrung
Aufwändig und stilvoll renoviert: Der Bahnhof Haparanda.

Wir bekamen noch einen weiteren Tipp eines Locals: In Haparanda befände sich die nördlichste Filiale der Welt des bekannten schwedischen Einrichtungshauses (das mit der blauen Schrift auf gelbem Grund). Das tönt angesichts des eher beschaulichen Geschehens hier in der Stadt schon fast aufregend. Also machen wir uns auf den Weg und stehen 30 Minuten später im Möbellabyrinth und folgen aufmerksam den blauen Pfeilen am Boden bis ins Restaurant. Dort holen wir unseren Gratiskaffee ab, denn wir gehören zur Familie. Ausser dem Selfie-Point beim Ausgang zeugt aber nichts davon, dass es sich um die nördlichste Filiale handelt. Und noch etwas haben wir zum ersten Mal in unserem Leben geschafft: Wir verlassen das Haus ohne auch nur ein einziges Serviettenpack, ein Schneidebrett oder eine Abwaschbürste gekauft zu haben.

Zeitzonenbank Haparanda
Saunaromantik im Möbelhaus.

Wir holen das hinterlegte Gepäck beim Hotel ab und sitzen schon bald im Zug nach Luleå. Der Zug fährt über die neu gebaute Haparandabahn, auf welcher erst seit 2021 wieder Personenzüge fahren. Entschuldigung - rasen. Denn bei der Strecke handelt es sich um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf welcher mit bis zu 250 km/h gefahren werden kann. Da aber keine Züge auf dieser Strecke verkehren, die so schnell fahren können, rasen wir trotzdem nicht. Wir verlassen den Zug in Notviken, einem Vorort von Luleå und laufen zum Hotel. Dort beziehen wir das Zimmer, leihen uns Velos vom Hotel und radeln ins Stadtzentrum.

Fussgängerzone Luleå
Die Fussgängerzone von Luleå.

Das Städtchen mit nordschwedischem Charme gefällt uns auf Anhieb. In der Mitte befindet sich eine grosszügige autofreie Einkaufsmeile mit gemütlichen Plätzen und zahlreichen Restaurants. Da hier in Luleå die Erzbahn endet – das in Kiruna geförderte Erz wird entweder nach Narvik oder Luleå transportiert – ist die staatliche Minenbetreiberin LKAB auch hier stark präsent. Immer mal wieder erblicken wir das Logo der LKAB und wir denken, dass ohne die Mine in Kiruna auch Luleå nicht so eine Bedeutung hätte. Im Gegensatz zu Kolari ist hier, aufgrund der andauernden Bergbauaktivitäten, eine Blütezeit zu spüren.

Hafenblick Luleå
Blick über das Wasser auf das Zentrum von Luleå mit markanten Lagerhäusern, die heute unter anderem ein Theater beherbergen.

Und zum Schluss noch das: Neben vielen innovativen Firmen hat sich auch ein weltweit bekanntes Unternehmen hier niedergelassen. Ganz in der Nähe unseres Hotels befindet sich das riesige Rechenzentrum von Meta (ehemals Facebook). Meta hat dieses vor einigen Jahren gebaut. Es war das erste Rechenzentrum ausserhalb der USA. In den riesigen Hallen werden also Daten von Menschen aus aller Welt gehostet. Der Standort Luleå wurde übrigens auch deshalb gewählt, weil hier die kalten Aussentemperaturen die Kühlung der Serveranlagen auf natürliche Weise unterstützen. Weiter verfügt der Norden Schwedens über viel grünen Strom aus Wasser- und Windkraft. Das macht Sinn.

P.S.: Wie oben erwähnt steigen wir in Notviken, einem Vorort von Luleå aus. Dafür war aber viel Glück im Spiel. Dieser Halt steht zwar im Fahrplan, aber der Zug stoppte seit Boden an keinem weiteren im Fahrplan stehendem Halt. Verwirrt fragt François den Zugbegleiter, ob wir denn in Notviken überhaupt halten werden. Dieser antwortet mit einem erstaunten «Nein, eigentlich nicht, möchtet ihr denn da aussteigen?». François antwortet: «Doch, ja, wenn es irgendwie möglich wäre, sehr gerne. Das wäre sehr nett». Nun kommt Hektik auf: Der Kondukteur stürzt nach vorne zum Lokführer, der sogleich auf die Bremse drückt. Mit knapper Not hält der Zug harsch in Notviken an und wir steigen aus. Es scheint wichtig zu sein, sich frühzeitig mit dem Personal auszutauschen und die Reisepläne bekannt zu geben. Etwas verwirrt steigen wir aus und blicken in die hilflosen Augen des Kondukteurs - könnte durchaus sein, dass nicht so viele Menschen in Notviken aussteigen.

Schwedenreisli