Wir erwachen im Nachtzug kurz vor Stockholm. Es ist ca. 05.30 Uhr und der Nachtzug erreicht Stockholm C pünktlich. Netterweise dürfen Fahrgäste nun bis um 07.00 Uhr liegen bleiben und müssen nicht gleich aussteigen. Wir nehmen dieses Angebot nicht in Anspruch, da es für uns gleich weitergeht.

Blick aus der U-Bahn auf Stockholm
Ein erster Blick auf Stockholm – historische Fassaden und spiegelndes Wasser.

Das erste Highlight des Tages wartet auf uns. Wir sind bei Freunden auf dem Södermalm zum Frühstück eingeladen. Nach einer kurzen Nacht im Zug bei Freunden zuhause einen gedeckten Tisch vorzufinden, ist wohl der beste Start in den Tag, den man sich wünschen kann.

Nach einem Abstecher in die Innenstadt geht es am frühen Nachmittag bereits in Richtung der Fähre. Fussläufig gut zu erreichen von der Metrostation Gärdet steuern wir auf die «Silja Serenade» zu. Wir stellen schnell fest, dass es sich in Tat und Wahrheit um ein schwimmendes Shoppingcenter handelt, welches den Tarnname «Fähre» trägt. Dieses Shoppingcenter wird uns also nach Helsinki bringen.

Ankunft der Fähre nach Helsinki
Blick auf die Silja Serenade am Hafen von Stockholm – bereit für die Überfahrt nach Helsinki.

Wir begrüssen «Harri Hylje», das Maskottchen der Reederei Silja Line, und stürzen uns in den Trubel.

Treffen mit Harri Hylje
Begrüssung durch Harri Hylje, das Maskottchen der Silja Line.

Eine erste Erkundungstour auf dem Schiff lässt uns bereits die Highlights dieses Vergnügungstempels erahnen: Während in der Kinderdisco Mumin mit seiner Begleiterin Kleine My tanzt, erkunden wir das Irish-Pub, Stakehouse und ein «Duty-Free Superstore», das Shoppingcenter im Shoppingcenter sozusagen. Das grösste Highlight ist aber zweifellos das Grande-Buffet, ein all-you-can-eat Restaurant mit über 200 Plätzen.

Tanz mit Mumin und Kleine My
Kinderdisco auf der Fähre – Mumin und Kleine My in Aktion.

Schiffspromenade auf der Fähre
Belebte Einkaufsstrasse an Bord – die Silja Serenade auf ihrem Weg nach Helsinki.

Bevor wir diese kulinarische Perle entdecken, steuern wir das Pub an und bestellen ein wohlverdientes Feierabendbier. Der gut gelaunte Barkeeper fragt uns mehrmals, ob wir nicht einen Schuss Jägermeister ins Bier möchten. Wir verneinen, während er verzweifelt ein drittes Mal versucht, uns die Vorzüge der gewöhnungsbedürftigen Kombination erneut zu schmackhaft zu machen. Hart und beständig bestehen wir auf die Variante ohne Schuss.

Wir besuchen noch kurz die Karaoke-Bar und treffen dort die potenziellen Stars von morgen. So unsere Erwartung. Die Qualität der Beiträge ist aber leider durchzogen. Mutmasslich konnten die Künstler*innen den Barkeeper nicht wie wir überstimmen und ein Fläschchen Jägermeister ist in ihr Bierglas gesunken. Um unser Gehör nicht nachhaltig zu schädigen, machen wir uns nach einigen Minuten auf den Weg zum «Grande Buffet». Wir realisieren schnell, dass der Grund für die Beliebtheit des Angebots nicht nur in der Auswahl der Speisen liegt, sondern wohl auch daran, dass alkoholische Getränke im Preis ebenfalls à-discrétion enthalten sind.

Soft-Ice Maschine im Grande Buffet
Nebst Alkohol gibt es im «Grande Buffet» auch Soft-Ice à-discrétion.

Die Qualität des Essens ist jedoch überraschend gut und vielseitig. Besonders muss an dieser Stelle die Soft-Ice Maschine erwähnt werden, die Johnnys Laune sehr zuträglich ist.

Sonnenuntergang über den Schären
Atemberaubender Sonnenuntergang über den Schären – ein Highlight der Überfahrt.

Um 21 Uhr brechen wir wohlgenährt in den obersten Stock des Schiffs auf, zum Public Viewing des Eurovision Song Contest. Die Szenerie und Stimmung sind einzigartig. Während der Kahn durch den Schärengarten um zahlreiche Inselchen zirkelt, erleben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang und geniessen den ESC aus der Heimat. Immer wieder schweift unser Blick über die unglaubliche Kulisse, die diesen speziellen Abend umgibt. Bei den Auftritten der schwedischen und finnischen Delegationen kocht der Saal. Den Auftritt von Zoë Më an diesem Ort zu sehen, macht den Abend perfekt. Zwar hat Schweden den ESC nicht gewonnen, trotzdem bleibt der Abend wohl noch lange in Erinnerung.

Die Inseln werden zunehmend rauer und das offene Meer wird sichtbar. Gegen Osten ziehend verlassen wir Schweden und die rote Sonne taucht hinter den letzten Schären ins Meer. Morgen erwachen wir in Finnland.

P.S.: Wie dem Text zu entnehmen ist, wird an Bord des Schiffs hie und da ein Getränk mit Alkohol konsumiert. Selten sieht man Personen ohne ein Glas in der Hand und die eher slalomartigen Laufwege sind nicht immer dem Wellengang geschuldet. Da wir Sparfüchse sind (Getränke kosten hier auf dem Schiff überraschend viel), gehen wir kurz runter in die Kabine und leeren unsere Minibar. Entsetzt stellen wir fest, dass der Zeitpunkt äusserst ungünstig gewählt war - gleich tritt Finnland auf und wir möchten bei diesem Event unbedingt oben in der Menge sein. Mit den Dosen in der Hand stürzen wir aus der Kabine und rennen zahlreiche Treppen hinauf bis in die Bar. Als wir uns in die Menge stürzen möchten, pfeift uns harsch ein uniformierter Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts zurück und informiert uns mit böser Mine, dass er genau gesehen hat, wie wir Getränke nach oben geschmuggelt haben und auf seine Rufe nicht reagiert hätten. Die Party sei nun für uns vorbei und es gelte ab sofort Hausverbot hier oben. Mit einigen entschuldigenden und erklärenden Worten zur Situation gelang uns dann das Unmögliche: Unsere Erklärung, den Auftritt Finnlands nicht verpassen zu wollen, war wohl so herzerwärmend, dass wir ihn umstimmen konnten.

Feiernde Fans an Bord
Ausgelassene Stimmung mit finnischen Fans – das Schiff wird zur Partyzone.

Schwedenreisli