
Nach den Zugreisen nach Nordschweden, den Eindrücken aus Narvik und Kiruna und frischen Erinnerungen aus Göteborg verbringen wir einige ruhige Tage im Aspelund in Südschweden.

Statt hunderte Kilometer mit dem Zug zurückzulegen, entdecken wir die nächsten Tage die Region um unser Haus mit den Fahrrädern. Zu dieser Jahreszeit ist dies besonders schön. Wir fahren auf Schotterpisten durch Wälder, über Felder und entlang der unzähligen Seen durch die Landschaft Smålands.

Nicht weit von hier wuchs Astrid Lindgren auf und exportierte genau solche Bilder und Stimmungen in die ganze Welt. Vielleicht erwarten wir deshalb hinter jeder Biegung Michel aus Lönneberga, die Kinder aus Bullerbü oder Pippi Langstrumpf. Die scheinen aber anderweitig beschäftigt zu sein, weshalb wir ohne jemanden anzutreffen die wilden Ulvastenarna erreichen. Es handelt sich dabei um Findlinge auf einem Hügel mitten im Wald, welche der Gletscher hier hinterlassen und damit diesen mystischen Platz geschaffen hat.

Am Abend verwandeln wir den Garten in ein Festgelände inkl. Würstchenbude: Wir schauen den ESC live aus Malmö bei Grill und wunderbarem Wetter und freuen uns über den Gewinn von Nemo und der Schweiz. So nah und doch so fern.

Die Eindrücke und Begegnungen der letzten Tage hallen bei uns stark nach. Wir sprechen über die Winterlandschaft im Norden, die uns mit Blick aus dem Fenster und dem wunderbaren Frühlingswetter fast unwirklich erscheint. Wir sind noch immer im selben Land, es fühlt sich aber an, als seien wir an einem ganz anderen Ort.

Ebenso sprechen wir über die vielen Menschen (und ein bisschen auch über die Schienenfahrzeuge mit klingenden Namen wie beispielsweise Rc6, X2000 oder Krösatågen, die wir liebevoll «Chrööse» nennen), die unsere weite Reise in den Norden und zurück möglich gemacht haben. Und über die Lokführer:innen, die diese langen Strecken durch die Nacht fahren, die Menschen die in Hotels, Restaurants und Nachtzügen arbeiten, die für gemachte Betten, saubere Züge und frischen Kaffee gesorgt haben.

Der Frühling, den wir in Südschweden erleben, gibt uns viel Energie. Am nahe gelegenen See mit Badestrand sind wir ganz alleine, die Sommersaison ist noch weit weg. Mit einigen Handwerkern und Schülern geniessen wir das kulinarische Highlight Schwedens schlechthin: Eine Pizza «Sveriges Special» (Pizza mit Kebabfleisch und reichlich Sauce béarnaise) vom lokalen Take-Away und fühlen uns ein bisschen, als wären wir in Südschweden zuhause.

Die Tage vergehen schnell und die Heimreise steht an. Mit unseren Rucksäcken stolpern wir wieder zur Bushaltestelle durch den Wald.


Mit einiger Verspätung steigen wir schliesslich in den Zug nach Hamburg ein, unsere letzte Fahrt im Nachtzug auf dieser Reise beginnt. Durch das Fenster schauen wir noch einmal auf die schwedischen Seen und Wälder, die in der Abendsonne glitzern. Kurz nach Malmö schnarchen wir dann in die Nacht und verlassen die Skandinavische Halbinsel über die Öresundbrücke.
PS: Apropos Brücken: Brücken besitzen die Eigenschaft, dass man sie in beide Richtungen überqueren kann, weshalb wir hier bald wieder aufkreuzen werden. Auf ein neues Abenteuer!


