Unser Reiseziel heisst Narvik. Es liegt zum Zeitpunkt, als wir uns in Basel am Bahnhof treffen, 3188 Kilometer und 47 Stunden Zugfahrt von uns entfernt. Die Reise wird uns weit in den Norden führen. So weit, bis die Gleise enden. Nördlicher kommt man in Europa auf dem Schienenweg nämlich nicht. Genau das Richtige für uns, tönt gut und «challenge accepted». Nur zwei Mal werden wir dabei übrigens umsteigen müssen, in Hamburg und in Stockholm. Nehmen wir die vielen Kilometer und Zugstunden also auf uns. Mutig steigen wir in den ICE, der uns auf der ersten Etappe bis Hamburg fahren wird. Der Zug verlässt Basel SBB pünktlich, was sich aber schnell ändern wird. Nach genau 3.5 Kilometer Fahrt (Zwischenbilanz: noch 3184.5 Kilometer bis Narvik), steht der Zug aufgrund einer Signalstörung im Badischen Bahnhof aber erst mal still. Da wir genügend Pufferzeit in Hamburg eingeplant haben, stört uns diese Verspätung von 20 Minuten erstmal nicht. Gewissen Problemen kann man vorbeugen, anderen jedoch nicht. Man kann es erahnen, es kommt noch schlimmer. Kurz nach Frankfurt informiert uns der nette Bistromitarbeiter nämlich über eine weitere Abweichung im Betriebsablauf: «Kurze Information: Wir haben leider keinen Kaffee mehr an Bord und, bitte halten Sie sich fest, auch kein Bier mehr. Nach Köln sollte es dann Nachschub geben.» Na dann, hoffen wir mal auf grosses Verständnis seitens der Kundschaft und darauf, dass ein deutscher Zug auch ohne Bier verkehren kann. Da wir aber mit zwei netten Menschen seit Basel in interessanten Gesprächen stecken, vergeht die Zeit wie im Flug und wir bekommen nicht mal mit, ob das kulinarische Problem in Köln gelöst werden konnte. Im schönen Hamburg angekommen, haben wir knapp fünf Stunden Zeit durch die Stadt zu ziehen und etwas zu essen.

Eine ruhige Straße in einer Stadt, gesäumt von hohen, dekorativen Gebäuden mit weißen Fassaden und roten Backsteinakzenten. Links und rechts stehen geparkte Autos. Einige Menschen gehen oder fahren mit dem Fahrrad auf der Straße. Die Sonne scheint, und es gibt einige Schatten auf der Straße.
Hamburg mit viel Sonne.
In der U-Bahn werden wir sofort auf unsere grossen Rucksäcke angesprochen. Nachdem wir verraten haben, dass wir aus der Schweiz kommen, meinte der nette Hamburger (mit einer Dose Astra in der Hand), dass es hier keine Berge gäbe und wir uns wohl verfahren hätten. Die Aufmerksamkeit des halben Wagens ist nun auf uns zwei Bergsteiger gerichtet. Nach Bekanntgabe des Reiseziels geht dann ein Raunen durch den Saal. «Ey die zwei Jungs hier fahren heute noch nach Stockholm. Und was habt ihr noch so vor?» Bevor wir die Antworten zu dieser interessanten Frage in der U-Bahn-Talkshow zu hören bekommen, müssen wir auch schon raus.

Eine große Menschenmenge versammelt sich im Freien vor einem Backsteingebäude. Der Himmel ist bewölkt, aber es gibt auch einige blaue Stellen. Im Vordergrund sind einige Bäume und Metallstrukturen zu sehen, die möglicherweise zu einem Markt oder einer Veranstaltung gehören.
In der Menschenmenge in Hamburg.

Nachtzug nach Stockholm

Um 22.02 Uhr verlässt dann der blaugrüne Zug der Schwedischen Staatsbahn SJ den Hamburger Hauptbahnhof. Während wir im Bett liegen und aus dem Fenster schauen, zieht draussen die nächtliche Landschaft vorbei.

Ein Nachtzug von aussen
Nachtzug der SJ in Hamburg.

Nach einiger Zeit überqueren wir die eindrucksvolle Rendsburger Hochbrücke. Wir sehen die Umrisse eines Schiffs, welches gerade unter der Brücke vorbeizieht und passieren etwas später die Grenze zu Dänemark. Schlafend ziehen wir an Kopenhagen vorbei und überqueren die Öresundbrücke. Es geht nordwärts in Richtung Abenteuer.

Schwedenreisli