Der erste Tag ohne Zugreise wartet auf uns. Die Sonne scheint wieder seit 03.00 morgens. Gestärkt mit Hotelzmorge vom Feinsten brechen wir zu unserer Wanderung am Meer auf.
Die Wanderung führt uns zuerst ins gegenüberliegende Shopping-Center, welches Johnny seit unserer Ankunft im Fokus hat (während François die Betriebsabläufe studierte). Eine Kappe für Johnny muss her, denn in dieser Stadt weht seit unserer Ankunft ein harscher und kalter Wind. Der Weg führt uns weiter zur Brücke über die Entladegleise der Erzbahn. Ein langer Zug der LKAB, beladen mit Olivin und anderen Mineralien (welche für die Erz-Pellettproduktion in Kiruna benötigt werden) steht bereit, loszufahren. Kommentar von François:
«Wenn der loslegt, dann ist das pure Performance».
Nur zehn Minuten später setzt sich dieser dann auch schon in Bewegung.

Nach ca. fünf Minuten sind die Performance und der Zug vorbei und wir laufen nun wirklich los. Der Weg führt an den beeindruckenden Erzsilos am Hafen entlang und durch einen Tunnel in Richtung Meer. Dort trennt uns nur noch ein gigantisches Logistikgebäude und ein hoher Zaun vom Wasser. Wir kommen weder daran, darüber noch darunter vorbei und müssen wohl oder übel durch den Tunnel zurück.

Wir befinden uns inmitten einer beeindruckenden Industrielandschaft. Wieder oben, kann unsere «Wanderung» dann starten.

Der Weg führt über einen kleinen Hügel durch einen lichten Wald in Richtung Wasser. Dort passieren wir den stillgelegten Flughafen Narvik, Framnes. Der Flughafen wurde 2017 stillgelegt, das Gebäude sieht aber aus, als wäre es gestern noch in Betrieb gewesen. Mangels Brecheisen müssen wir den stillgelegten und gespenstisch wirkenden Flughafen von aussen bestaunen.


Danach geht es bergauf auf einen kleinen Hügel mit einer spektakulären Aussicht auf schneebedeckte Gipfel und tiefblaues Wasser.



Bevor wir die letzten Meter in Angriff nehmen, springen wir ins eiskalte Wasser des Fjords und geniessen das wunderschöne Wetter. Da Johnny ein erfahrener Eisbader ist, traut sich auch François ins kalte Nass. Die Erfrischung hat sich gelohnt und war ein Erlebnis.

Zurück im Städtchen besuchen wir das Kriegsmuseum von Narvik. Eisenerz war (und ist wohl noch immer) eine strategische Ressource in Kriegen, weshalb Narvik insbesondere im 2. Weltkrieg eine zentrale Rolle spielte. Über fünf Jahre war Narvik und sein eisfreier Hafen deshalb von den Nazis besetzt: Es galt «wer Eisen hat, gewinnt den Krieg». Das Museum erklärt eindrücklich, was diese Zeit für die Menschen um Narvik bedeutet hat und dokumentiert ohne Umschweife diese schlimme Zeit. Schwere Kost, während uns aber auch die klaren und zeitlosen Statements von Norwegen zu seiner Neutralität und der Verantwortung, die ein Staat und seine Mitbürger:innen zum Erhalt von Frieden tragen, beeindrucken. Im Zuge der aktuellen weltpolitischen Situation lässt uns die Ausstellung nachdenklich zurück.
Nachmittagsschlaf im Hotel ist angesagt. Das wunderbare Wetter lädt förmlich zu einem Nachtessen am Meer ein. Das Shopping-Center unseres Vertrauens gibt nebst Soft-Ice auch diverse Leckereien her.


PS: Nach der erwähnten Erfrischung im Fjord geht das Glück gleich weiter. Zufälligerweise führt der Weg am Bahnhof von Narvik vorbei und wir sehen einen Erzzug näher kommen (ehrlicherweise ist es kein Zufall, denn wir haben eine online-Karte der BaneNOR entdeckt, die alle Zugbewegungen auf den Gleisen live abbildet). Mit der gezückten Kamera freuen wir uns also auf den einfahrenden Zug. Im Moment der Wahrheit kommt dann allerdings überraschend ein Zug auf dem anderen Gleis von hinten daher und versperrt den Blick. Ein richtiges Trainspotter Pech, da müssen wir noch üben. Etwas beschämt und unter den amüsierten Blicken der Gäste des Bahnhofkaffees verlassen wir die Bühne.


