Blick auf eine Hafenszene an einem regnerischen Tag mit einem nebligen Hintergrund. Ein Schiff und mehrere Lastwagen sind sichtbar, und im Hintergrund ragt ein hohes Gebäude aus dem Nebel heraus.
Göteborg und sein Karlatornet.

Auf die Minute pünktlich kommen wir um halb sieben in Stockholm an. Die Nachtzugreise hat unsere Erwartungen vollumfänglich erfüllt. Züge sind sehr sauber und alles ist gut im Schuss. Johnny hat sich noch eine Dusche gegönnt und startet gut gelaunt in den Tag. Grund dafür ist, dass er kurz vor der Ankunft herausgefunden hat, dass wir mit unserem 1. Klasse Interrail-Ticket kostenlosen Zugang in die SJ-Lounge im Hauptbahnhof in Stockholm haben. Dass heute jedoch «Kristi himmelsfärdsdag» ist und die SJ Lounge daher erst um 11 Uhr öffnet, haben wir übersehen. Die gute Laune droht sich zu verschlechtern (das ist eine Untertreibung).

Wir finden trotzdem noch etwas kleines zum Zmorge und nehmen dann eine Stunde später den Zug Richtung Oslo nach Hallsberg. Den Bahnhof hätten wir fast verschlafen, denn die Sitze der Staatsbahn sind so bequem, dass wir gleich nach Stockholm einschliefen. Von Hallsberg geht es dann mit dem Regionalzug weiter bis nach Göteborg.

Schwarz-weiß Bild von historischen Gebäuden mit Turm und Kuppel an einer belebten Straßenecke, Personen überqueren die Straße und Autos fahren vorbei.
Göteborgs Strassen.

Johnny hat in Göteborg vor vier Jahren ein halbes Jahr studiert, weshalb wir natürlich die Plätze und Orte, die ihm viel bedeuten, besuchen. Die zweitgrösste Stadt Schwedens befindet sich stark im Umbruch. In der Stadt entstehen ganze neue Quartiere und ein S-Bahntunnel mit einigen Bahnhöfen, welcher unter der ganzen Stadt durchführt. Ausserdem wird bald das höchste Gebäude Skandinaviens eröffnet, der «Karlatornet». Ein imposantes Bauwerk.

Ein hohes, schlankes Gebäude, teilweise von Nebel umhüllt, steht hinter einer Baustelle und einer verkehrsreichen Straße in einer städtischen Umgebung.
In die Wolken ragender Karlatornet.

Wer in Göteborg möglichst viel sehen möchte, mietet sich am besten ein Velo. Mit den Drahteseln geht's nach Lindholmen, auf der anderen Seite des Göta-Älv. Dort ist in den letzten Jahren neben einem grossen Campus der Uni auch ein neuer Park gebaut worden, mit einem Schwimmbad im Meer und bald auch wieder mit einer öffentlichen Sauna. Mit der Fähre geht es wieder über den Fluss. In der Altstadt schauen wir in einigen Läden vorbei und gehen natürlich zu «Da Matteo», wo es guten Kaffee und fantastische Sandwiches gibt.

Blick auf das Ufer eines Flusses mit modernen Gebäuden und einem hohen, schlanken Turm. Das Bild zeigt eine städtische Umgebung mit einer reflektierenden Wasseroberfläche.
Der moderne Stadtteil Frihamnen.

Wir besuchen die Uni, den lebendigen Stadtteil Haga, geniessen die Aussicht vom Skansen Kronan und natürlich laufen wir durch den «Andra Långgatan» – eine der lebhaftesten Strassen Göteborgs. In einem Szene-Laden startet, just im Moment als wir dort sind, eine Vernissage für eine Foto-Ausstellung mit alten Bildern der lebendigen Strasse.

Ein älterer Mann in einem blauen Hemd steht in einer Kunstgalerie und betrachtet verschiedene schwarz-weiße Fotografien an einer Wand. Eine große Pflanze befindet sich im Vordergrund.
Die Vernissage.

Wir kriegen ein Bier und lauschen gespannt den Ausführungen des Fotografen. Von diesen poetischen Ausführungen auf Schwedisch verstehen wir jedoch geschätzt nur einen Drittel, wir nicken jedoch am Ende der Sätze zustimmend und freundlich mit. Als dann ein Kind eine Glasstatue von einem Gestell kurzerhand auf den Boden befördert und die Figur auf demselbigen lautstark zerbricht, ziehen wir weiter.

Eine städtische Szene an einem regnerischen Tag zeigt Pfützen auf dem Boden, die die Umgebung und Passanten spiegeln.
Auch das gehört zu Göteborg.

Es beginnt zu regnen (was in Göteborg nicht ganz unüblich ist) und wir sehen das Element Wasser erstmals nach längerer Zeit wieder in flüssiger Form.

Am Abend essen wir in einem alten Kino eine feine Pizza und steigen in ein Tram, welches uns rund eine ganze Stunde durch das nächtliche Göteborg fährt. Mit dem Tram durch Göteborg und aufs Geratewohl an eine Endstation zu fahren, ist der zweite empfehlenswerte Weg, die Stadt zu sehen.

Nachtansicht eines beleuchteten Hafens mit einer leuchtenden Gebäudefassade im Vordergrund und der beleuchteten Stadt im Hintergrund, reflektiert auf dem Wasser.
Dachterrasse des Scandic Hotel in Göteborg.

Göteborg ist eine sehr schöne Stadt und wir nächtigen im riesigen, neuen Hotel Scandic. Aus unserem Eckzimmer aus Glasfronten sehen wir vom 7. Stock direkt das Zentrum von Göteborg. Eine absolut spektakuläre Aussicht.

Das Gebäude 'World of Volvo' mit einer großen, kreisförmigen Holzstruktur und großen Glasfronten unter einem bewölkten Himmel. Im Vordergrund sind mehrere Mietscooter geparkt.
Die World of Volvo.

An unserem zweiten Tag besuchen wir die «World of Volvo». Ein neu eröffnetes Museum rund um die Geschichte des Konzerns. Die Architektur des Gebäudes ist spektakulär, der Inhalt ist es nicht. Wir können zwar viele alte Volvos bestaunen und ins Cockpit eines Lastwagens sitzen, der vermittelte Inhalt ist aber primär Marketing für die Marke Volvo.

Ein gelber Frontlader präsentiert in einer modernen Ausstellungshalle. Das Fahrzeug ist auf einem sauberen, polierten Betonboden geparkt.

Der beliebteste Ort der Ausstellung ist übrigens ein grosses Bällebad, wo man mit einem kleinen Bagger baggern kann. Die Schlange ist lang, fast ausschliesslich Männer und Buben warten dort. Wie man so schön sagt, Buben werden nicht älter, nur die Spielzeuge werden teurer. Wem das noch nicht reicht, kann sich in einen dunklen Raum in der Mitte der Ausstellung begeben, wo wirre Farb- und Lichtspiele an die grossen Leinwände projiziert werden. Was das mit Autos, bzw. Volvo zu tun hat, bleibt bis am Schluss ein spannendes Rätsel.

Zwei Bagger in einem Indoor-Spielbereich, gefüllt mit blauen und violetten Bällen, in einer Halle mit gewölbten Holzdecken.
Hier kann man Bälle baggern.

Wir statten der Studentenunterkunft von Johnny noch einen kurzen Besuch ab (ausser der Briefkastenanschrift hat sich nichts verändert, es war trotzdem schön).

Einen Kaffee später geht es auf den Zug ins Landesinnere. Die nächsten Tage werden wir in einem kleinen Haus in Südschweden verbringen und uns etwas vom vielen Zugfahren erholen. Hier wird es also etwas ruhiger werden.

PS: Als wir in Richtung Uni laufen, sitzen zwei Teenager mit je einer Gitarre auf einer Parkbank. Sie singen und spielen «Country Roads» und warten gespannt, dass wir mit «take me home» antworten. Ehrensache natürlich, dass wir hier das Spiel mitspielen und fröhlich «to the place» und «I belong» ergänzend mitträllern. Am Ende des Refrains sind die beiden ausser sich vor Freude: Sie sässen nun schon sehr lange hier und bisher habe niemand mitgesungen.

Schwedenreisli